FabLab Night im Bieler Tagblatt

Einen Dinosaurier kreieren? Kinderleicht.

Biel Das Fablab im Bieler Innovationspark lädt zur ersten Fablab-Night ein. Künftig können Bielerinnen und Bieler die 3-D-Drucker
unkompliziert nutzen. Tobias Graden
Pascal Schnell reagiert sofort. Auf die Frage, ob «nur» diese Geräte das Fablab im Bieler Innovationspark ausmachen, sagt der Betreuer des Ortes rasch: «Was heisst da ‹nur›? Wir haben hier Geräte, die sich in anderen Fablabs nicht finden!» Diese Geräte stehen an der Wand im Parterre des Innovationsparks, nicht in einem abgesonderten Bereich. Das ist Absicht. Das Fablab ist offen gestaltet, man sieht es vom Trottoir aus, es ist leicht zugänglich, es soll niederschwellig sein. Denn wer hier etwas ausdrucken will, soll dies möglichst einfach und günstig tun können.

Nicht profitorientiert

Was ist das denn, ein Fablab? Grob gesagt: Eine Werkstatt für digitale Produktion. Hier stehen 3-D-Drucker in verschiedenen Grössen und Ausführungen sowie der «Speedy 300», ein Laserschneider, der Materialien wie Holz, Kunststoff oder Plexiglas schneiden oder gravieren kann. «Das ist ein Gerät, das man sich nicht für zuhause leisten kann», sagt Pascal Schnell – die Maschine dürfte denn auch nicht in vielen Fablabs in der Schweiz zu finden sein. Wer kann denn das Bieler Fablab nutzen? Da sind zum Einen die im Innovationspark agierenden Firmen und deren Mitarbeiter, aber auch die Nutzer des Coworking-Spaces. Wer dort die Jahresmiete zahlt, hat Anspruch auf eine Einführung und kann danach die Maschinen quasi jederzeit gebrauchen – und seine Ideen sogleich in Prototypen umsetzen. «Das ist ein Alleinstellungsmerkmal des Coworking-Spaces im Innovationspark», sagt Pascal Schnell. Zum Andern steht das Fablab allen Interessierten in der Region zur Verfügung. Schnell: «Wir stellen der Öffentlichkeit modernste Produktionsmittel auf sehr günstige Weise zur Verfügung», sagt Pascal Schnell, «denn wir sind nicht auf Profit bedacht.» Die Nutzer bezahlen nur das nötige Material, mehr nicht.

Eine Lampe in einer Stunde

Bisher haben nur ein paar «Cracks» das Fablab von extern genutzt, doch das soll sich mit der ersten öffentlichen «Fablab-Night» am Donnerstag ändern. Diese ist eine Art Schnupperkurs. Es gibt eine kurze Einführung, dann werden drei Gruppen die 3-D-Drucker und das Lasergerät vorgestellt. Es folgt die kreative Phase: Zu vorgegebenen Themen werden Objekte kreiert oder untergeladen
und schliesslich ausgedruckt oder gelasert. «Wir wollen den Leuten zeigen, wie einfach das geht», sagt Pascal Schnell, «und dass es nicht nur ums Ausdrucken, sondern ums Kreieren geht.»
Der Druck von Objekten sei mittlerweile derart einfach, dass auch seine Kinder mühelos damit zurechtkämen. So hat Schnells Tochter beispielsweise Freude an Dinosaurier-Modellen zum Zusammenstellen aus entsprechend geformten Holzplatten. Sie hat bereits selber welche kreiert. «Wer sich selber eine Lampe basteln will, ist in etwa einer Stunde fertig damit», sagt der Fablab-Betreuer. Schnell zeigt ein eigentümlich geformtes Zahnrad: Es ist ein Teil einer alten Wurlitzer-Musikbox, das kaputtgegangen ist. Der Prototyp aus Kunststoff war rasch gefertigt und stellte sicher, dass das entsprechende Teil, in Metall gefertigt, die Wurlitzer wieder zum Klingen bringen würde. Denkbar ist auch das Anfertigen von verloren gegangenen Teilen eines Lego-Bausatzes oder eines Schmuckstücks oder eines Mitbringsels für Kunden oder… der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Auf der Plattform Shapeways.com finden sich unzählige Dateien, die Bauanleitungen für Objekte enthalten. Diese werden runtergeladen, an den 3-D-Drucker geschickt, und dieser druckt das Objekt aus. «Es ist so einfach wie ein Bild runterzuladen», sagt Schnell. Wer selber gestalten und modellieren will, nutzt entsprechende Software, die auch als Freeware existiert und laut Schnell nach kurzer Lernzeit einfach zu handhaben sei.

Weitere Nächte folgen

Die Fablab-Night vom Donnerstag ist nun die erste, weitere sollen folgen, nämlich vier pro Jahr. Wer Feuer fängt, sich aber keinen eigenen 3-D-Drucker leisten will, kann für weniger als 100 Franken Mitglied des Bieler Fablabs werden. Nach einer Ausbildung am Gerät darf dieses dann unbegrenzt genutzt werden. Und für jene, die sich ausserhalb einer Fablab-Night informieren wollen:
Das Labor ist jeden Donnerstag von 15 bis 19 Uhr bedient. Pascal Schnell freut sich darauf, sein Wissen weiterzugeben.
Info: Fablab-Night im Innovationspark,
Aarbergstrasse 5, Nidau, diesen
Donnerstag von 17 bis 21 Uhr. Anmeldung
über info@innocampus.ch
oder 032 530 88 88, bis Mittwochnachmittag.

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